•  

  •  

  •  

  •  

  •  

  •  

  •  

  •  

 

zurück

Begründung für die positive Prüfung der Erna Schindler- Briefe mit der „Lack 80“ (MiNr. 339 xb)

Es ist notwendig, die damaligen postalischen Geschehnisse genauer zu beschreiben, um in der Beweisführung zur Echtheit dieser Belege zu gelangen. Begonnen wird aber zunächst mit den Briefgesichtern selbst.

Die Briefgesichter

Auf den in Rede stehenden Briefen ist bei der einen „Briefgruppe“ als Adressat Briefmarkenversand-Fachgeschäft Erna Schindler (geborene Leipelt, Anmerkung vom Verfasser des Forschungsbeitrags) zu lesen. Es befand sich in Lastau, Kreis Rochlitz/DDR. Lastau hatte 1953 zirka 500 Einwohner, eine relativ kleine Ortschaft (1). Der Absender Arno Neumann, (10) Colditz, Pestalozzistraße 6, war der damalige Mitarbeiter von Frau Erna Schindler (1). Bei der anderen „Briefgruppe“ ist als Adressat Leopold Schindler, Strausberg, Haus Seefrieden, zu lesen. Ein Familienmitglied des Familienverbandes Schindler. Der Absender Heinrich Leipelt, Lastau Nr. 49 war der Bruder von Frau Erna Schindler und der damalige Briefträger in Lastau gewesen (1). Mehr Absender- oder Empfängeradressen kommen nicht vor. Beide Briefgruppen wurden 2003 anlässlich der Auswertung der bis dahin praktizierten Prüfpraxis und den Festlegungen der zukünftigen Prüfrichtlinien für die „Lack 80“ zum Komplex der Erna- Schindler- Briefe zusammengefasst.

 

Abb. 1: Vorderseite eines Erna- Schindler- Briefes mit Empfänger Erna Schindler

 

Die Briefe wurden als Fernbrief in der ersten und zweiten Gewichtsstufe mit der Zusatzleistung Einschreiben versandt. Verklebt ist auf diesen Briefen die „Lack 80 xb XI“ mit MiNr. 354 YI oder MiNr. 322 za XII Die Briefe sind überfrankiert. MiNr. 339 xb mit MiNr. 322 um einen Pfennig. MiNr. 339 xb mit MiNr. 354 YI um sieben Pfennig. Es ist festzuhalten, dass 1953 die Portogerechtigkeit nicht so streng gehandhabt wurde wie es heute der Fall ist.

 

Abb. 2: Rückseite des unter Abbildung 1 gezeigten Briefes

 

Die Briefmarken sind entwertet mit dem Zweikreisstegstempel LASTAU KR ROCHLITZ 1 oder (10) COLDITZ 1 b. Als Ankunftsstempel sind abgeschlagen LASTAU KR ROCHLITZ 1 und STRAUSBERG 1 f. Die Stempelabschläge zeigen sämtlich die notwendigen zeitgerechten Merkmale.

 

Die in Colditz aufgegebenen Briefe sind beklebt mit einem R- Zettel mit eingedruckter Postleitzahl 10b im Kreis sowie Colditz eingedruckt. Der registrierte Nummernbereich liegt zwischen 245 und 278. Insgesamt sind 12 Briefe registriert. Sowohl der Nummernbereich als auch die Anzahl der Briefe können sich ändern, da davon ausgegangen wird, dass nicht sämtliche Briefe erfasst sind.

 

Die in Lastau aufgegebenen Briefe wurden mit einem Blanko- R- Zettel mit der Postleitzahl 10b im Kreis und einem Handstempelaufdruck Lastau Krs. Rochlitz in Schwarz beklebt. Es sind 8 Briefe aus dem Nummernbereich 895 bis 932 registriert. Auch hier können sich sowohl der Nummernbereich als auch die Anzahl der Briefe verändern.

 

Abb. 3: Vorderseite eines in Lastau aufgegebenen Briefes.

 

 

Abb. 4: Rückseite der in Abbildung 3 gezeigten Vorderseite eines Lastau- Briefes

Die Briefe sind signiert mit (Alt)prüfstempeln Zi (Zirkenbach) und DR. ZEMPEL. Diese Prüfstempel wurden immer auf der Briefvorderseite neben der „Lack 80“ gesetzt. Nach Forschungsstand sind vermutlich alle Briefe entsprechend signiert. Rückseitig kommen die (Alt)prüfstempel WEIGELT BPP und GERHARDT BPP vor. Diese wohl nur auf den Prüfvorlagen, die zu einer Nachprüfung vorgelegt wurden.

 

Das Entwertungsdatum 14.4.53 der auf den Schindler- Briefen in Mischfrankatur verklebten „Lack 80“

Am 20. März wird im MPF unter „Sofort an die Amtsblattstelle“ zur Veröffentlichung im nächsten erscheinenden Amtsblatt als Verfügung (Vf) unter Allgemeines folgendes formuliert: „Nr. 90/1953 Zurückziehung eines Postwertzeichens der Dauerserie Das Postwertzeichen der Dauerserie 80 Pf mit dem Bildnis Ernst Thälmanns (lackiert und unlackiert) wird mit Ablauf des 15. April 1953 für die Freimachung von Postsendungen ungültig. Im Besitz der Postkunden befindliche Freimarken dieser Art sind gebührenfrei gegen andere kursfähige Postwertzeichen umzutauschen In den Schalterräumen ist ein entsprechender Hinweis anzubringen. Die ungültig werdenden Wertzeichen sind von den Postschaltern zurückzuziehen und den Wertzeichenverteilämtern zuzuführen, die sie gesammelt dem Briefmarkenarchiv des MPF (zu) übersenden (sind). Mit Ablauf des 15. April 1953 ist das (nicht lesbar) Wertzeichen aus den Markenschaukästen zu entfernen“ (2).

 

Abb. 5: Ausschnitt aus zwei Aktenblättern des MPF

Am 21. März 1953 wird vom MPF an die Bezirksbehörde für Post- und Fernmeldewesen (BPF) Leipzig folgender Brief zur „Postwertzeichenherstellung“ gesandt: „Das mit einem Lacküberzug versehene Postwertzeichen zu 80 Pf mit dem Bildnis Ernst Thälmann ist für den Postbetrieb ungeeignet, weil sich der darauf abgedruckte Tagesstempel abwischen lässt. Die weitere Herstellung dieses Wertzeichens ist deshalb sogleich einzustellen, etwa vorhandene Bestände sind nicht an die Wertzeichenverteilämter abzugeben und bereits gelieferte Wertzeichen dieser Art zurückzufordern. Die bei der Versandstelle für Sammlermarken und dem MPF überwiesenen Mappen sind diesen Dienststellen zu belassen“ (3)

 

Abb. 6: Ausschnitt aus dem Aktenblatt des MPF an BPF Leipzig

Ebenfalls noch am 21. März 1953 – vermutlich nach mündlicher Vorabinformation des MPF ans BPF Leipzig - schickt die BPF Leipzig ans Postmuseum Berlin W 66 das folgende Telegramm: „BPF FS 5585 DIE VOM VEB GRAPHISCHEN WERKSTAETTEN ZUGESANDTEN LACKIERTEN 80 PF MARKEN SOFORT AN DRUCKEREI ZURUECKSENDEN SICHERSTELLEN DAS KEINE ABGEGEBEN WERDEN…“ (4)

 

Abb. 7: Ausschnitt aus dem Aktenblatt mit dem Telegramm des BPF Leipzig an das Postmuseum Berlin W 66

Damit ist mit dem 15. April 1953 die Außerkurssetzung der „Lack 80“ eindeutig fixiert: letzter möglicher Verwendungstag zur Freimachung von Postsendungen! Wie sind die „Erna Schindler- Briefe mit der Lack 80“ mit Blick auf die Stempeldaten einzuordnen. Es muss davon ausgegangen werden, dass im Wissen um die Außerkurssetzung der „Lack 80“ am 15. April 1953 die Erna Schindler- Briefe am 14. April der Post zur Beförderung übergeben wurden. Der ehemalige BPP- Prüfer, Herr Weigelt, hat vor Jahrzehnten den Begriff „Angstbriefe“ für alle Briefe mit der „Lack 80“, die kurz vor Außerkurssetzung dieser Marke aufgegeben wurden, geprägt.

 

Gibt es auch einen amtlichen Erstausgabetag?

Die Bezirksdirektion für Post und Fernmeldewesen Leipzig schreibt am 2. März 1953 einen Brief an das MPF. Zusammengefasst wird in diesem Brief – was schon fernmündlich mitgeteilt wurde – noch einmal dargelegt: Schwierigkeiten bei der Beschaffung einer geeigneten Farbe, bei zirka 40 000 Bogen verwischt die Druckfarbe, trotz mehrerer Versuche trocknete keine der benutzten Farben, Marke fehlt bereits seit mehreren Monaten, Marken könnten mit einem Lacküberzug versehen werden, der eintretende Farbunterschied ist unerheblich. Dem Schreiben ist ein Druckbogen zu 400 Marken a 80 Pfg. unperforiert beigefügt. Der Druckbogen wurde von der Druckerei zurück gefordert (5).

 

Abb. 8: Ausschnitt aus dem Aktenblatt mit dem Schreiben der BPF Leipzig

Die Genehmigung wurde fernmündlich erteilt. Den genauen Tag konnte die Forschung bisher nicht ermitteln. Mit Datum 10. März 1953 ist dann ein Brief an die BPF Leipzig verfasst worden: „Die Anwendung eines leichten Lacküberzugs bei der Herstellung der 80 Pf- Marke mit dem Bildnis Ernst Thälmanns wird genehmigt. Das am 15.3. erscheinende Amtsblatt wird einen entsprechenden Hinweis enthalten“ (6)

 

Abb. 9: Ausschnitt aus dem Aktenblatt mit dem Entwurf des Schreibens

Von einem Erstausgabetag kann nur ausgegangen werden, wenn dieser amtlich verfügt worden ist. Einen solchen verfügten Erstausgabetag gibt es für die „Lack 80“ nicht. Der seit Jahrzehnten kursierende 18. März 1953 ist nach Einschätzung des Verfassers dieses Beitrags ein Fantasieprodukt der Philatelisten. Wie bei der Dauerserie „Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaften“ mit Wasserzeichen Kreuzblumen sind nur früheste Verwendungstage registrierbar. Mit der Besonderheit bei der „Lack 80“, dass in der Forschung die Registrierung nach Bezirken, Leit- und Abrechnungspostämtern und weiteren Unterstellungsverhältnissen erfolgt.

 

Zurückziehung der „Lack 80“ und Nachforschungen des MPF zur Auslieferung, Verteilung und dem Verkauf der „Lack 80“

Im MICHEL- Spezial ist ab der Ausgabe 2004 zu lesen: „Daher wurden die Bestände entsprechend einer Verfügung vom 21.3.1953 vom Verkauf zurückgezogen und am 15.4.1953 außer Kurs gesetzt“. In den MPF- Akten ist unter „Vermerk“ zu lesen: „… Die Wertzeichenverteilämter sind telegraphisch angewiesen worden, die gesamten Bestände an diesem Wertzeichen sogleich an das HPA Leipzig N 18 (der zentralen Verteilstelle, der Verfasser dieses Beitrags) zurückzusenden……“. Dieser Vermerk befindet sich zusammen mit einem Entwurf „Zurückziehung eines Postwertzeichens der Dauerserie mit Datum 20. März 1953 auf einem Aktenblatt. Dazu kommen das in diesem Beitrag vorgestellte Telegramm und das Schreiben an die BPF Leipzig mit Datum 21. März 1953 (7) als Grundlage für die korrekten Angaben im MICHEL- Spezial.

 

Abb. 10: Ausschnitt aus dem beschriebenen Aktenblatt

Die telegraphische Anweisung, die „gesamtem Bestände an diesem Wertzeichen sofort ans das HPA LEIPZIG N 18 zurückzusenden“, wurde offenbar als dehnbar ausgelegt. Denn es gibt von einigen Ausgabepostämtern noch PK und PKA nach dem 21. März 1953 bis in den April 1953 hinein. Das ging nur, wenn die Bestände noch nicht zurückgegeben worden sind. In der Tat ist in den Anordnungen des MPF zur Zurückziehung der 80 Pf- Marke mit dem Bildnis Ernst Thälmanns mit Lacküberzug an keiner Stelle eine Weiterverwendung im Innendienst untersagt worden.
Andererseits hat die Forschung ermittelt, dass einige Ausgabepostämter der „Lack 80“ die Telegramme und Anordnungen dahingehend interpretierten, den Gebrauch dieser Marke umfassend einzustellen. Denn es gibt Ausgabepostämtern, wo es nach dem 21. März 1953 auch keine Verwendungen mehr im Innendienst nach dem derzeitigen Forschungsstand gibt. Darunter sind unter anderem die Postämter Chemnitz 4 und Zöblitz.

 

Nach Außerkurssetzung der „Lack 80“ war das MPF daran interessiert zu erfahren, wohin Marken geliefert wurden und wie viele Marken über die Postschalter verkauft und wie viele wo lagerten. Dazu befindet sich in den Akten des MPF eine Aufstellung über die Anzahl der gelieferten Bogen aufgeschlüsselt nach den Bezirksdirektionen für Post und Fernmeldewesen. Für den Bezirk Chemnitz und Leipzig ist die Aufstellung detaillierter, denn es ist auch angegeben, an welche Leit- und Abrechnungspostämter die Bogen weiter verteilt wurden einschließlich der Anzahl. Zudem enthält diese Aufstellung die Anzahl der zurück gegebenen Bogen und Marken und den daraus errechneten Verkauf (8).

 

Abb. 11: Ausschnitt aus der Aufstellung mit den Angaben zur BPF Chemnitz

Diese Bezirksübersicht ist für die Forschung und Prüfung dieser Marke ein wichtiges und aussagestarkes postalisches Dokument, denn durch dieses Dokument sind die Ausgabebezirke bekannt. Im Umkehrschluss sind damit die Bezirke benannt, in denen in der damaligen DDR kein Schalterverkauf der „Lack 80“ stattfand.

 

Dazu wurde mit Datum 20. April 1953 im MPF ein weiteres Dokument erstellt: „Von der lackierten Thälmann-Marke zu 80 Pf sind verkauft worden:

 

im Bezirk der BPF Cottbus 10 100 Stück
im Bezirk der BPF Erfurt30 Stück
im Bezirk der BPF Halle (Saale)   23 400 Stück
im Bezirk der BPF Chemnitz6 183 Stück
im Bezirk der BPF Leipzig4 617 Stück
im Bezirk der OPD Berlin44 Stück
 --------------------
insgesamt: 44 374 Stück
  
Vorhanden sind:
Beim VEB Graphische Werkstätten5 096 670 Stück
Bei der Versandstelle für Sammlermarken 249 956 Stück“

 

<

Abb. 12: Ausschnitt aus dem Aktenblatt des MPF über den Verkauf der „Lack 80“

 

Die Bezirksdirektion für Post- und Fernmeldewesen Chemnitz und die „Lack 80“

In dieser philatelistischen Fachstudie soll uns nur die BPF Chemnitz interessieren, weil sich dort das Leit- und Abrechnungspostamt Rochlitz mit seinem unterstellten Postamt Colditz und die Poststelle I Lastau befand.
Der Versandweg der Schalterbogen von der Druckerei in Leipzig bis zum Postamt oder der Poststelle „vor Ort“ war 1953 in den Bezirk Chemnitz: Druckerei zum HPA Leipzig N 18 als der zentralen Verteilstelle, vom HPA Leipzig N 18 zu Chemnitz 4, von Chemnitz 4 an die Leit- und Abrechnungspostämter, Leit- und Abrechnungspostämter an die unterstellten Zweigpostämter und Poststellen.
Die postamtlichen Akten weisen insgesamt 14 Postämter im Bezirk Chemnitz aus, an die die blaue Thälmann- Marke zu 80 Pf mit Lacküberzug von Chemnitz 4 weiter verteilt wurde. Aber lediglich in sechs Postamtsbereichen kam es zum Verkauf der „Lack 80“. Da nur die Hauptpost-, Leit- und Abrechnungspostämter aufgeführt sind, muss die Forschung die Weiterleitung der „Lack 80“ an die unterstellten ZwPÄ und Poststellen I anhand der erhaltenen Paketkarten, Paketkartenabschnitte und Bedarfsbriefe rekonstruieren.

 

Paketkarten, Paketkartenabschnitte und Bedarfsbriefe mit der „Lack 80“ aus dem Bezirk Chemnitz

PK, PKA und Bedarfsbriefe sind von Chemnitz 4, Marienberg, Olbernhau, Rochlitz, Werdau und Zöblitz registriert. In der Literatur ist auch Chemnitz 3 genannt, kann aber bisher nicht belegt werden

 

CHEMNITZ 4

 

Chemnitz 4 war 1953 ein selbständiges Postamt ohne Zweigpostämter oder Poststellen I (11, 12). Vom Postamt Chemnitz 4 hat die Forschung Briefe und Paketkartenabschnitte bisher registrieren können.

 

 

Abb. 13 und 14: Vorder- und Rückseite eines Briefes aufgegeben in CHEMNITZ 4 mit Datum 18.3.1953

Dieser Brief zeigt Merkmale eines reinen Bedarfs. Vom Folgetag ist noch ein Brief registriert, der der Kategorie Bedarfsbriefe zuzuordnen ist. Komplette Paketkarten sind von Chemnitz 4 unbekannt. 6 Paketkartenabschnitte konnten bisher mit Stempeldaten zwischen dem 1?.3.1953 (? nicht lesbar) und 21.3.53 registriert werden. Das früheste lesbare Datum auf Paketkartenabschnitten ist der 18.3.53. Verwendungen nach dem 21. März 1953 konnte die Forschung bisher nicht nachweisen.

 

Abb. 15a, 15b, 15c: Paketkartenabschnitte von Chemnitz 4

 

MARIENBERG

 

Marienberg war 1952 ein Leit- und Abrechnungspostamt (11). 1955 ein Hauptpostamt und Kreisbetriebsamt für Post- und Fernmeldewesen (12). Von Marienberg ist nur ein Paketkartenabschnitt mit Datum 18.3.53 registriert.

 

Abb. 16: Paketkartenabschnitt von Marienberg 18.3.53

Die Entwertung erfolgte mit einem Zweikreisstegstempel mit dem Unterscheidungsbuchstaben (UB) f. Dieses Stempelgerät war in dieser Zeit am Paketschalter im Einsatz. Registriert ist noch eine Einzelmarke mit Stempelabdruck vom Zweikreisstegstempel UB: f mit dem Datum 10.04.53 und eine Einzelmarke mit einem Eckstempel vom gleichen Stempelgerät. In Marienberg wurde nach Forschungsstand die „Lack 80“ im Innendienst nach dem 21.3. 1953 offenbar weiter verwendet.

 

OLBERNHAU

 

Olbernhau war 1952 ein Zweigpostamt von Marienberg, ebenso noch 1955 (11, 12). Registriert ist eine Paketkarte – die einzige bekannte Paketkarte aus dem Bezirk Chemnitz – und zwei PKA.

 

Abb. 17a und 17b: Ganze Paketkarte aus dem Bezirk Chemnitz und PKA mit senkrechtem Dreierstreifen der „Lack 80“

Die Abbildung der Paketkarte stammt aus den Prüfunterlagen von Herrn Weigelt und liegt bisher nur in schwarz/weiß vor. Die PK weist das Stempeldatum 21.3.53 auf. Der PKA das Stempeldatum 24.3.53. In Olbernhau ist die „Lack 80“ im Innendienst weiter verwendet worden.

 

ROCHLITZ

 

Rochlitz war 1952 ein Leit- und Abrechnungspostamt (11) und 1955 weiterhin ein Leit- und Abrechnungspostamt (12).
In den Rehfeld- Unterlagen zur „Lack 80“ ist ein Paketkartenabschnitt mit Datum 21.3.53.-17 aufgeführt. Rehfeld hat stets neben dem Datum auch den Unterscheidungsbuchstaben registriert. Hier ist es ein „c“. Am Paketschalter des Postamtes Rochlitz war ein Zweikreisstegstempel mit dem Unterscheidungsbuchstaben „c“ damals im Einsatz wie sonstige zeitgerechte Paketkartenabschnitte ohne „Lack 80“ beweisen.

 

Abb. 18: Ausschnitt aus den Rehfeld- Unterlagen mit den Registrierungen zur „Lack 80“

In der linken, senkrechten Reihe befindet sich ganz unten die Registratur zu Rochlitz. Dieser Paketkartenabschnitt lag zu einer Nachprüfung bisher nicht wieder vor. Weitere PKA konnten bisher nicht registriert werden (13). Eine Verwendung im Innendienst ist nach dem 21 März 1951 somit auch nicht nachgewiesen.

 

WERDAU

 

In Werdau gab es 1952 das Postamt 1 als Leit- und Abrechnungspostamt und das Zweigpostamt Werdau 2, welches dem Postamt Werdau 1 unterstand (11), ebenso noch 1955 (12). Ein Bogen der „Lack 80“ ist nach den postamtlichen Unterlagen vermutlich im Postamt 1 in den Verkauf gelangt. Registriert ist nur ein Päckchenausschnitt mit der „Lack 80“ mit Stempeldatum 18.3.53.

 

Abb. 19: Päckchenausschnitt von Werdau

Auch in Werdau hat es offenbar nach dem 21. März keine Innendienstverwendung gegeben. Zu bemerken ist, dass Päckchenausschnitte wesentlich seltener sind als Paketkartenabschnitte.

 

ZÖBLITZ

 

Zöblitz war 1952 ein Zweigpostamt von Marienberg (11), 1955 ist kein Vermerk zum Unterstellungsverhältnis angegeben (12). Es sind insgesamt 3 PKA registriert mit den Daten 17.3.53 (2) und 18.3.53.

 

Abb. 20: Paketkartenabschnitt mit Stempeldatum 17.3.53

Ebenfalls ist in Zöblitz nach dem 21. März keine Verwendung der „Lack 80“ im Innendienst nachgewiesen. Das Stempeldatum 17.3.53 ist das bisher früheste ermittelte Datum einer Verwendung im Bezirk Chemnitz.

 

Was ist für den forschenden Philatelisten aus diesen Registrierungen zu entnehmen?

Lediglich in vier Postamtsbereichen kam es zum Verkauf der „Lack 80“ im Bezirk Chemnitz. Die registrierten Belege, PK, PKA, die dem „reinen“ Bedarf zugeschrieben werden können, sind sehr überschaubar. Ein hoher Prozentsatz der nach den postamtlichen Akten im Bezirk Chemnitz verkauften 6183 „Lack 80“ dürfte postfrisch geblieben sein. Von den zur Verwendung gelangten „Lack 80“ ist ein hoher Prozentsatz vernichtet. Der eine oder andere PKA könnte aber noch heute in der „Kiloware“ gefunden werden.
Das früheste von der Forschung ermittelte Verwendungsdatum 17.3.53 hat die Uhrzeit 4-5N. Es gilt die Forschungsthese, dass am 17. März 1953 die „Lack 80“ in Zöblitz eintraf, den Markenbeständen sofort zugeschrieben wurde und die Marke noch am gleichen Tag zum Verkauf und Verbrauch im Innendienst kam. Daraus ergibt sich, dass der angeforderte Bedarf an 80 Pf- Marken am 16. März 1953 vom HPA Leipzig N 18 kommend in Chemnitz 4 eingetroffen sein könnte oder am 17. März 1953 früh und die einzelnen angeforderten Stückzahlen sofort an die Leit- und Abrechnungspostämter weiter geleitet wurden, denn der Mangel an 80 Pf- Marken war sehr groß.
Bei einigen Postämtern wurde nach Forschungsstand offenbar am 21. März nicht nur der Verkauf der „Lack 80“ eingestellt sondern auch keine Weiterverwendung im Innendienst durchgeführt.
Diese These wird gestützt durch die Rückgabe von einem Teilbogen von 23 Marken in Chemnitz 4, einem Teilbogen von 50 Marken in Marienberg und einem Teilbogen von 44 Marken in Rochlitz.

 

Die postalischen Unterstellungsverhältnisse von Colditz und Lastau zu Rochlitz im Zeitraum 1952 bis 1955

Das Postamt Colditz war 1952 ein Zweigpostamt von Rochlitz (11). Lastau 1952 eine Poststelle I und ebenfalls Rochlitz unterstellt (11).
1955 war Colditz kein Zweigpostamt von Rochlitz mehr sondern ein eigenständiges Postamt. Wurde somit zwischen 1952 und 1955 aufgewertet. Lastau ist weiterhin eine Poststelle I und Rochlitz unterstellt (12).
Es waren weitere Postämter und Poststellen I dem Leitpostamt Rochlitz 1953 unterstellt. In dieser Forschungsstudie muss nicht darauf eingegangen werden, da für diese Studie ohne Relevanz.

 

Colditz, Lastau, Rochlitz und die „Lack 80“

An das Leit- und Abrechnungspostamt Rochlitz wurden 200 Bogen ausgeliefert. Offensichtlich bestand ein großer Mangel an 80 Pf- Marken auch im Postamtsbereich von Rochlitz im März 1953.
Nach Zurückziehung der „Lack 80“ vom Schalterverkauf lieferte das Abrechnungspostamt Rochlitz 193 Bogen und 44 Marken über Chemnitz 4 an die Druckerei zurück (8). Im Amtsbereich des Leit- und Abrechnungspostamtes Rochlitz kamen damit 6 Bogen und 56 Marken zum Verkauf. Siehe den Ausschnitt aus dem Aktenblatt Abbildung 11.
Die Poststelle 1 Lastau (Kr Rochlitz) dürfte mit Bogen der „Lack 80“ vom Leit- und Abrechnungspostamt Rochlitz beliefert worden sein. Ebenso Colditz als ein Zweigpostamt des Leit- und Abrechnungspostamtes Rochlitz. In Rochlitz muss die „Lack 80“ ebenfalls zum Verkauf gekommen sein wie die Rehfeldunterlagen beweisen.
Es sind auch einige Marken auf Unterlage mit Abstempelungen mit Stempeldatum 20. März 1953 aus Rochlitz bekannt.
Bleiben noch die 6 Schalterbogen, die zum Verkauf gelangten. Sowohl in Rochlitz, Colditz oder Lastau können diese (vermutlich) am 20. März 1953 den Markenbeständen zugeschrieben worden sein. Damit gelangten diese Bogen zum Schalterverkauf. Das Briefmarkenversand-Fachgeschäft Erna Schindler konnte somit ganz legal an bis zu 6 Bogen der „Lack 80“ gelangen.
Zu beachten ist, dass Mitte April 1953 alle Sammelformen dieser Marke von postfrisch über gestempelt bis zu den Belegen in die Kategorie selten einzustufen waren. Der Umstand, dass wenig später beträchtliche postfrische Bestände in Sammlerhand gelangten, war Mitte April 1953 nicht vorauszusehen.

 

Der Kurt Link- Brief

Im Jahr 2003 wurde die „Lack 80“ fünfzig Jahre alt. Aus diesem Anlass veröffentlichte der Autor dieser Studie einen mehrteiligen Fachaufsatz zum Forschungsstand der „Lack 80“ in der „philatelie“ in der Rubrik Philatelie und Postgeschichte (14). In diesem Fachaufsatz wurde zu den „Erna Schindler- Briefen mit der Lack 80“ die Vermutung geäußert, dass im Besitz des Briefmarkenversandgeschäftes Erna Schindler mehr als ein Bogen der „Lack 80“ gewesen sein könnten. Diese These war Anlass für Kurt Link – einem in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland hoch angesehenen Philatelisten - mir in einem Brief folgendes zur Kenntnis zu geben (1):

 

„Sehr geehrter Her Paul, haben Sie besten Dank für den informativen Beitrag zur Postgeschichte der DDR. Für Ihre Forschungsarbeit ist vielleicht folgender Hinweis von Bedeutung und zwar im Zusammenhang mit dem Versandhandel Erna Schindler in Lastau und Ihrer Vermutung dieser Handel „…muss mindestens einen größeren Bogenteil oder gar einen ganzen Bogen der „Lack 80“ besessen haben“.
Dann folgen sehr interessante Ausführungen: „Ich wohnte damals in dem kleinen Ort Lastau bei Colditz (500 Einwohner) und war als Versicherungsvertreter tätig. Der Bruder von Frau Schindler, ein Herr Heinrich Leipelt, war nach dem Krieg bis wohl 1954 (ich bin dann fortgezogen) als Briefträger des Ortes tätig. Wir kannten uns persönlich sehr gut und da ich mich oft bei ihm in der Poststelle aufhielt, ist mir bekannt, dass er von allen Ausgaben über das zuständige Hauptpostamt teilweise mehrere Bogen erhalten hat, die fast ausschließlich von Frau Schindler gekauft wurden (er schimpfte oftmals darüber und hat mir auch ganze Bogen angeboten, da sonst keiner die Sondermarken haben wollte). Es ist m. E. mindestens ein ganzer Bogen der Lack 80 (ich vermute sogar mehr, denn er erhielt immer mehrere Bogen) vorhanden g ewesen. Der im Absenderstempel bezeichnete „Arno Naumann, Pestalozzistraße 6, Colditz“ war bei Frau Schindler als Angestellter beschäftigt“.

 

Abb. 21: Der Kurt Link- Brief

Diese Angaben, die Kurt Link aus der Erinnerung geschrieben hat, passen nahtlos in die Beweisführung, ergänzen und erhärten diese.

 

Die Prüfpraxis der „Lack 80“ ab 2004

Anlass für eine kritische Auseinandersetzung mit der Prüfpraxis zur „Lack 80“ bis einschließlich 2003 waren Aufforderungen des Briefmarkenhandels in Deutschland an den Vorstand des BPP eine „Richtlinie“ zur Prüfung dieser Marke zu erarbeiten. Die Ergebnisse dieser kritischen Überprüfung, die die Katalogisierung im MICHEL Deutschland Spezial berührten, sind ab MICHEL Deutschland- Spezial 2004 umgesetzt. Jeder Sammler dieser hochinteressanten Marke der „DDR- Philatelie“ sollte die Katalogisierungshinweise detailliert kennen. An einem Handbuch zu dieser sehr interessanten Marke wird gearbeitet.

 

Fazit

 

Die Beweisführung von 2003, dass die Erna Schindler- Briefe mit der „Lack 80“ voll prüfbar sind, gilt nach wie vor. Gegenteilige Beweise sind seit 2003 nicht bekannt geworden. Das Prüfbüro Paul und Ruscher prüft diese Briefe entsprechend der Katalogisierung im MICHEL Deutschland Spezial ab 2004 in der Kategorie I.

 

ABKÜRZUNGEN

 

BILDMATERIAL
Die Abbildungen mit der „Lack 80“ stammen ausschließlich aus der Archivdokumentation des Prüfbüros Paul und Ruscher im BPP.

 

QUELLEN
(1) Angaben nach Kurt Link, Kurt Link war ein in der DDR und Gesamtdeutschland hoch angesehener Philatelist. Kurt Link wurde unter anderem in Auszeichnung seiner philatelistischen Verdienste in das Consilium Philatelicum berufen.
(2) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(3) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(4) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(5) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(6) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(7) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(8) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(9) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(10) MPF Postwertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmann, Lacküberzug, Archiv Signatur 139
(11) Ortsverzeichnis 1, Verzeichnis der Postämter und Postamtsstellen im Bereich der deutschen Postverwaltungen, Ausgabe 1952
(12) Ortsverzeichnis I, Teil A, Verzeichnis der Orte mit Postanstalt im Bereich der deutschen Postverwaltungen, Ausgabe 1955
(13) Die Rehfeld- Unterlagen zur Prüfung der „Lack 80“ befinden sich als Kopiensammlung im Besitz des Prüfbüros Paul und Ruscher. Ebenso die Prüfunterlagen der ehemaligen Prüfer Dr. Tichatzky und Weigelt.
(14) Der Forschungsbeitrag erschien in der „philatelie“ in „Philatelie und Postgeschichte“ Nr. 231, April 2003 und 232, Juni 2003.

 

AUFRUF

Das in Arbeit befindliche Handbuch soll sich auf die Auswertung möglichst vieler „Sammlerstücke aus dem Bedarf“ und der sonstigen Sammlerpost der „Lack 80“ stützen.
Daher der Aufruf, ohne Rücksprache mit dem Prüfbüro Paul und Ruscher, gute Farbkopien (600 Dpi) von Briefen (Vorder- und Rückseite), Paketkarten (Vorder- und Rückseite), Paketkartenabschnitte (ebenfalls Vorder- und Rückseite), losen gestempelten Marken und Marken auf Unterlagen gestempelt ohne Rücksprache mit dem Prüfbüro Paul und Ruscher zur Verfügung zu stellen. Da davon ausgegangen wird, dass es gerade bei den Paketkartenabschnitten noch nicht registrierte Abschnitte gibt.
Vielen Dank!
Siegfried Paul

 

zurück
Top