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News

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2019/III

Sogenanntes geripptes Papier
„Bisher nur bei Block 10 und D 27 katalogisiert“

 

Seit einiger Zeit sind in Auktionskatalogen immer wieder Lose mit der Beschreibung „auf sogenanntem gerippten Papier, fehlerhafter Kreideaufstrich“ enthalten oder in davon leicht abgewandelten Beschreibungen. Dazu gibt es Atteste, Befunde und Kurzbefunde. Die Frage stellt sich und soll hier beantwortet werden, ob die Prüfungen „geripptes Papier“ gerechtfertigt sind.

 

179. Dresdner Briefmarkenauktion, Los 3760
177. Dresdner Briefmarkenauktion, Los 2845    (2845)
179. Dresdner Briefmarkenauktion, Los 3759   (2846)
177. Dresdner Briefmarkenauktion, Los 2846   (3759)

 

179. Dresdner Briefmarkenauktion, Los 3761

 

Im „Häger“, 1978, Seite 297, ist zum gerippten Papier nachzulesen: „Während der Papierherstellung zufällig entstanden oder auch absichtlich hervorgerufen, um die Entfernung eines Stempelabdruckes und Wiederverwendung der Marke zum Schaden der Post zu erschweren“. Ein derartiges Papier wurde bei der Briefmarkenproduktion in der DDR nie eingesetzt. Der Zusatz „fehlerhafter Kreideaufstrich“, der auch im MICHEL- Deutschland-Spezial bei der Katalogisierung DDR Block 10 bei den Abarten nachzulesen ist, war notwendig, um einer nicht haltbaren Zuordnung zum echten, gewollten gerippten Papier gar nicht erst aufkommen zu lassen.

 

 

177. Dresdner Briefmarkenauktion, Los 2948

 

Die teilweisen Beschreibungszusätze „Mi. bislang unbekannt“ oder „bei Sondermarken bislang nur beim Block 10 katalogisiert“ oder ähnliche Beschreibungsarten sollen suggerieren, dass es sich um etwas Besonderes, etwas Seltenes handelt und zwar um eine erst jetzt entdeckte Abart, die noch nicht im MICHEL Deutschland-Spezial katalogisiert ist. Dementsprechend sind die Ausrufpreise bei diesen Losen nahe oder über dem Michel-Katalogpreis angesetzt, Häufiger werden jedoch die Marken zu Fantasiepreisen ausgerufen, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

 

Fakt ist: Der fehlerhafte Kreideaufstrich ist nichts weiter als ein etwas mit zu hoher Temperatur aufgebrachter Kreideaufstrich. Hierdurch erscheint der Aufstrich etwas grauer, porig und wirkt in Aufstrichrichtung streifig. Es handelt sich um eine Zufälligkeit im Papierherstellungsprozess.

 

Befund zu einer geprüften Marke Michel-Nr. 405 x fehlerhafter Kreideaufstrich, sogenanntes geripptes Papier

 

Ein Sammler, der die Befundmarke gekauft hatte, rief im Prüfbüro an, ob er diese Marke zur Nachprüfung schicken könne. Er könne auch unter der Lupe kein „geripptes Papier“ erkennen. Auch uns gelang es nicht, „geripptes Papier“ zu erkennen. Der Aufstrich war unter der Lupe lediglich leicht porig. Die Marke wurde als ganz normale Michel-Nr. 405 x YI ** geprüft und signiert. Der Michelpreis liegt bei 2,50 Euro für die „einfache“ Marke.

 

Die Michelkatalogisierung von geripptem Papier beim DDR Block 10 liegt Jahrzehnte zurück. Wer diese veranlasste, ist nicht mehr zu ermitteln. Der Schwaneberger Verlag hat vor etwa 20 Jahren in Absprache mit dem BPP entschieden, dass es keine weiteren Katalogisierungen dieser Art geben wird. Sollte es doch einmal aus Versehen zu einer solchen Katalogisierung kommen, wie dies bei der Zirkeldienstmarke Michel-Nr. 27 geschehen war, so wird nach Entdeckung die Katalogisierung wieder gestrichen. Es wird seit der Absprache zwischen dem BPP und Michel außer beim Block 10 bei keiner anderen Ausgabe „geripptes Papier“ von den BPP-Prüfern geprüft. Es muss darauf hingewiesen werden, dass dieser Prüfungsgrundsatz nur für den BPP gilt.

 

Zusammenfassung
Geripptes Papier stellt eine Zufälligkeit dar.
Zufälligkeiten werden nicht katalogisiert.
Marken mit „geripptem Papier“ werden als solche nicht BPP-geprüft.

 

Verwaltungspost B – Zirkeldienstmarken
Missverständnis bei der Katalogisierung Michel-Nr. 22

 

Bis zum Jahr 2011 war Michel-Nr. 22 Type I auf gestrichenem Papier in die normale Katalogisierung integriert.

 

Katalogisierung MICHEL Deutschland-Spezial 2011

 

Seit dem MICHEL-Deutschland Spezial 2012 ist im Dienstmarkenkatalogteil diese Dienstmarke bei den Abarten unter „22 F gestrichenes Papier, Zeichnung 2“ in den Erhaltungsformen postfrisch und Bedarfsabstempelung registriert. Die Nachdrucke stehen jetzt innerhalb der Katalogisierung „gewöhnliches Papier“.

 

Katalogisierung MICHEL Deutschland Spezial 2012

 

Was sind die Gründe für die Katalogisierung als Abart? Die Gründe finden wir im „Die Dienstmarken der DDR Handbuch und Spezialkatalog“, Schriftenreihe zum Sammelgebiet DDR, Heft 30, 2012.

 

Titelseite Handbuch und Katalog

 

Im Handbuch wird auf Seite 73 und 74 die Michel-Nr. 22 xI analysiert. Dort steht: „Für diese Marke wurde statt gestrichenes – so wie bei den anderen Werten dieser Ausgabe üblich – normales Papier verwendet. In jüngster Vergangenheit tauchten allerdings einzelne Exemplare dieser Marke auf gestrichenem Papier auf. Höchstwahrscheinlich ist mindestens ein Bogen mit gestrichenem Papier in den Papierstapel gelangt, der für den Druck dieser Marke verwendet wurde. Bisher sind von dieser Abart drei Exemplare bekannt geworden“.

 

Teilabbildung Handbuch aus der Seite 73

 

Hier wird das Wort Abart für das gestrichene Papier verwendet, was zwangsläufig in der Katalogisierung die Einordnung in den Bereich der Abarten erzwingt. Die Katalogisierung im Handbuch ist dann auch bei den Abarten unter „Gestrichenes Papier 22 xI F“ zu finden. Siehe nachfolgende Abbildung.

 

Teilabbildung Handbuch aus der Seite 74

 

Die Neu- und Nachdrucke werden im Handbuch – Druckzeitraum liegt in 1957 - in einem eigenen Abschnitt, dem Abschnitt Neu- und Nachdrucke abgehandelt. Im Kapitel Neu- und Nachdrucke der 2. und 3. Ausgabe, beginnend ab Seite 112, wird einleitend ausgeführt: „Bei der 2. und 3. Ausgabe haben wir es sowohl mit Neu- als auch mit Nachdrucken zu tun: D20N, D23N und D28N sind Neudrucke von den Originaldruckplatten, während D18N, D19N, D21N und D24N bis D27N Nachdrucke von retuschierten Platten der ab 1956 erschienenen Ausgaben in Zeichnung 4 sind“. Die Michel-Nr. 22 fehlt in der einleitenden Übersicht. Etwas weiter im Text steht: „Für die anderen Werte musste die Zeichnung 2 unter Verwendung der bereits einmal umgearbeiteten Druckplatten durch Retusche wiederhergestellt werden“, was auch für die Michel-Nr. 22 Type I gestrichenes Papier gilt. In der Übersicht der registrierten Druckvermerke ist vermerkt: „22N 3.5.57 Auftrags-Nr. 46346“.

 

Teilabbildung Handbuch Seite 112

 

Teilabbildung Handbuch Seite 113

 

Mit der Katalogisierung der Michel-Nr. 22 auf gestrichenem Papier unter Abarten hatten die Nachdrucke im MICHEL- Spezial keine „Heimat“ mehr. Sie wurden bei Michel-Nr. 22 auf gewöhnlichem Papier mitkatalogisiert. Dies bedeutet nach Michel-Lesart: den Nachdruck gibt es nur auf gewöhnlichem Papier. Diese Katalogisierung führte bei Sammlern, Händlern und Prüfern zu Irritationen. Um diesem Missstand abzuhelfen wird der Michelredaktion vorgeschlagen, die aktuelle Michelkatalogisierung entsprechend zu ändern. Dafür spricht auch die Tatsache, dass in den letzten Jahren bei den Sondermarken immer wieder mal beide Papiersorten bei den Wasserzeichenpapieren nachgewiesen wurde. In den Verfügungen und Mitteilungen des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen wird übrigens nie bei den Ankündigungen der Neuausgaben auf „gewöhnlichem“ oder „gestrichenem“ Papier verwiesen, sondern immer nur „erscheint auf Wasserzeichenpapier“ mit der Nennung der Wasserzeichenart. Dies kann in diesem Fall ebenfalls zur Anwendung gebracht werden. Diese Korrektur wird dann im MICHEL- Spezial 2021 möglich.

 

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