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News

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2019/II

Walter Ulbricht Dauerserie
Mi.-Nr. 847 PF III und IV mehr als fraglich

 

Normales Druckbild
Michel PF III      Michel PF IV

 

Der Plattenfehler III wird im MICHEL Deutschland-Spezial beschrieben als: „Schraffurlinien in der Kragenecke verbunden, Hemdfalten fehlen fast vollständig (Xx I 2)“. Der Plattenfehler IV wird beschreiben als: „Retusche der Krageneckenschraffur und der Hemdfalten mit ungleichmäßigen Linien (Yx I 2)“. Die „Plattenfehler“ sind seit 2017 gelistet.

 

Die Plattenfehlerforschung wurde in der Vergangenheit von der Arbeitsgruppe „Walter Ulbricht-Dauerserie“ der Arge „DDR-Spezial“ geleistet. Die Forschungsergebnisse wurden vom Leiter der Arbeitsgruppe aufbereitet und dem Beauftragten der Arge für die Zusammenarbeit mit der Redaktion des MICHEL Deutschland-Spezial zugeleitet. Die Prüfer im BPP erhalten vor einer Weiterleitung die Gelegenheit, zu den Katalogisierungsvorschlägen eine Stellungnahme abzugeben. Zur Anerkennung als Plattenfehler sind Kriterien zu erfüllen: 1. Ein ausreichender Nachweis von Marken (ideal sind 10 bis 15 Marken). Dies können postfrische und gestempelte Marken, Marken auf Brief oder auch Marken mit philatelistischen Abstempelungen sein. Dazu kommt die Feldbestimmung des Plattenfehlers. Die Prüfer im BPP und die Redaktion des MICHEL Deutschland-Spezial sind im vorliegenden Fall davon ausgegangen, dass diese für die Arge „DDR- Spezial“ geltenden Kriterien zu dem Katalogisierungsvorschlag erfüllt waren.

 

Sowohl die MICHEL-Redaktion als auch die Prüfer im BPP staunten nicht schlecht, als sie in der philatelistischen Fachpresse einen Beitrag unter der reißerischen Einleitung: „Unikate als Plattenfehler von Michel anerkannt, Schlechte Retusche, Suche nach weiteren Exemplaren“ zur Kenntnis nehmen mussten. Dieser Beitrag erschien in mindestens zwei philatelistischen Fachzeitschriften, unter anderem auch in der DBZ/SE

 

Teilabbildung aus dem Beitrag der DBZ/SE 7/2019

 

Autor dieses Beitrags ist Herr Joachim Fischer. Es ist unter anderem zu lesen: „Die Plattenfehler Mi.-Nr. 847 III und IV sind von der Arbeitsgemeinschaft DDR-Spezial aufgrund ihrer Einzigartigkeit der Michel-Redaktion zur Aufnahme in den Katalog empfohlen worden und erstmals im Spezial 2016 erschienen (es muss 2017 heißen). Nach wie vor handelt es sich um Unikate …. Selbst die Michel-Redaktion war so sehr von der Entdeckung angetan, dass sie sogar ohne Vorlage mehrerer Exemplare und ohne Bestimmung des Feldes im Schalterbogen die Katalogisierung vornahm“. Im Weiteren wird in den Abschnitten „Klischee“, „Retusche“ und „Papier“ versucht, eine drucktechnische Erklärung zu geben.

 

Weitere Teilabbildung aus dem Beitrag der DBZ/SE 7/2019

 

Besonders im Abschnitt „Retusche“ werden mangelhafte drucktechnische Kenntnisse sichtbar: „Während der Plattenfehler III die eigentliche Plattenbeschädigung darstellt, dokumentiert der Plattenfehler IV die dazugehörige, allerdings außergewöhnlich schlecht ausgeführte Retusche, also die Korrektur der Beschädigung der Druckplatte. Hier kann allerdings von Korrektur oder gar einer Wiederherstellung des Originalbildes keine Rede sein kann. „Möglicherweise wurde die Beschädigung des Klischees während des Einlegens einer neuen Papierrolle festgestellt und danach unter Zeitdruck retuschiert. Den genauen Hergang werden wir nicht mehr ergründen können“. Zur Absicherung dieser abenteuerlichen drucktechnischen Erklärung erfolgt noch „dazu die Einschätzung eines Grafikers“: „Die Art und Weise der Retusche charakterisiert ein schnelles, provisorisches Ausbessern des Fehlers möglicherweise unter Zeitdruck vor Druckende einer Auflage…“. Der Name des Grafikers wird nicht genannt.

 

Zur Herstellung der Druckplatten für den Briefmarkenbuchdruck stehen zwei Techniken zur Verfügung: die Galvano- oder die Molettentechnik. In der DDR wurde die Galvanotechnik angewandt. Im Plattendruck wurden 25 Galvanos zu einem Fünfundzwanzigerklischee vereinigt und diese Klischees dann vervielfältigt. Im Rollendruck, um den es hier geht, waren es Zehnerklischees, die dann vervielfältigt wurden. 44 solcher Zehnerklischees bilden die Druckplatte in Zylinderform. Die Zehnerklischees wurden, bevor sie zu einer Druckplatte zusammengefügt wurden, gehärtet. Zum Härten standen ebenfalls verschiedene Techniken zur Verfügung. Wird im laufenden Druckprozess ein Galvano beschädigt, so konnte ohne Mühe solch ein Zehnerklischee ausgewechselt werden. Dies dauerte etwa 3 Stunden. Eine Retusche an der fertigen Druckplatte mit dem Ziel, das ehemalige Originalklischee wieder herzustellen, wäre nur in folgenden Arbeitsschritten möglich gewesen: 1. Ausfüllen des beschädigten Teils des Galvanos mit Blei, 2. Ausfräsen nach Vorlage des Originalklischees, 3. Härten des entsprechenden Galvanos. Wie diese Arbeiten an und in einer fertigen Druckplatte in der Druckmaschine bewerkstelligt werden können, wird nicht erklärt. Dies ist auch nicht erklärbar. Vielmehr wird mit abenteuerlichen Thesen argumentiert.

 

Der Beitrag von Herrn Fischer wurde den in Deutschland anerkannten Briefmarkendruckexperten, Herrn Hans Zerbel, mit der Bitte um eine drucktechnische Stellungnahme übergeben. Seine Stellungnahme ist ernüchternd: „Wer an eine Retusche im Buchdruck – so mal kurzfristig fast nebenbei glaubt – glaubt auch an den Weihnachtsmann. Beim Buchdruck sind ja die weißen Bildteile vertieft. Geht jemand mit einem Stichel an solche Klischees kann er ausschließlich neue weiße Bildteile entstehen lassen. Ein fortschreitendes Wegbrechen der feinen Linien ist wahrscheinlicher. Ein Bildteil mit Blei zu löten und neu Schneiden scheidet aus physikalischen Gründen aus. Auch die Ausbuchtung am oberen Ende des Schulterstrichs sehen nicht wirklich identisch aus. Wobei ich keineswegs bestreiten will, dass beide Abarten dieselbe Feldbezeichnung haben werden. Auch einem Briefmarkendrucker wäre wohl nicht eingefallen, eine fast zwangsweise unvollkommende Korrektur vorzunehmen. Eine stark verschmutzte Druckplatte ist die wahrscheinlichste Erklärung“.

 

Diese Einschätzung deckt sich mit der Einschätzung des Prüfbüros. Für ein fortschreitendes Wegbrechen der feinen Linien fehlt jeglicher Beweis, der nicht einmal in Ansätzen vorliegt. Die vorliegenden „Unikate“ lassen sich aber mit einer lokalen Verunreinigung in der Druckplatte erklären. Damit liegen lediglich Zufälligkeiten vor.

 

Dem MICHEL Deutschland-Spezial wird vorgeschlagen, diese Plattenfehlerkatalogisierungen zu streichen.

 

Vom ehemaligen Leiter der Arbeitsgruppe „Walter Ulbricht- Dauerserie“ der Arge „DDR- Spezial“ wurde inzwischen eingeräumt, dass im MICHEL Deutschland-Spezial weitere „Plattenfehler“ enthalten sind, die nur ein-, zwei- oder dreimal vorgelegen haben. Somit erfüllen diese nicht die Grundanforderungen zur Bestätigung eines Plattenfehlers. Eine Revision der im MICHEL Deutschland-Spezial gelisteten Plattenfehler ist notwendig. Eine Prüfung nicht bestätigter und revidierter Plattenfehler erfolgt nicht.

 

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