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News

Die Beiträge werden in jedem Jahr Quartalsweise abgespeichert und können durch anklicken geöffnet werden.

 

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2017/III

Drucktechnisch nicht zu erklären!

 

Dem Prüfbüro wurde der Kleinbogen „Grünes Gewölbe Dresden“, MiNr. 2906 II, in 6 Einzelteilen aufgetrennt für Atteste zur Prüfung vorgelegt. Die Besonderheit dieser Prüfvorlage besteht darin, dass bei allen Marken des Kleinbogens die Wertziffer fehlt und dazu noch der Druck von Ornamentteilen auf den Rändern des Kleinbogens.

 

Abbildung der Prüfvorlage

 

Zur Orientierung nachfolgend die Abbildung eines Kleinbogens ohne Abartigkeiten

 

Kleinbogen in Normalausführung

 

Die Prüfvorlage wurde nach Leipzig zur Druckerei Giesecke & Devrient geschickt und um eine Expertise gebeten, was drucktechnisch falsch gelaufen ist. Die Druckerei Giesecke & Devrient ist der Nachfolger der ehemaligen VEB Wertpapierdruckerei der DDR. Einige der dort heute tätigen Druckexperten waren schon zu DDR- Zeiten in der Druckerei tätig. Nachfolgend die Expertise der Druckerei.

 

„Die PWZ ohne Wertzahl zeigt im Schwarz Figur eine Überfärbung / das Schwarz für Text eine Unterfärbung, ob eine Manipulation vorliegt war nicht zu erkennen. Für das Fehlen der Wertzahl und des Textes am Rand finden wir keine eindeutige Erklärung. Es wurde mit einer 6 Farben Druckmaschine gearbeitet, d. h. alle Farben mit einem Druckgang aufgebracht. Auf dem Druckbogen sind mehrere Kleinbogen a 8 PWZ gestellt, nach dem Schneiden der Druckbogen wird eine visuelle Qualitätskontrolle durchgeführt – wird dabei eine so grobe Abweichung festgestellt, wird nach allen Bogenteilen gesucht, die Vollständigkeit überprüft und ausgesondert. Durch Unaufmerksamkeit kann eventuell ein Druckfehler (technisch nicht belegt) zur Auslieferung gelangen, was nicht angenommen wird“.

 

2 Seiten Protokoll Vergleich klick hier

 

Was bedeutet diese Expertise für die Prüfung? Die Druckerei kann die Abartigkeiten drucktechnisch nicht erklären. Damit ist eine Bestätigung und Attestierung BPP nicht möglich. Eine Manipulation ist mit den derzeitigen zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden auch nicht nachzuweisen, was bei Nachweisbarkeit die Prüfung FALSCH zwingend zur Folge gehabt hätte. Als einzige Möglichkeit bleibt die Ausstellung eines Befundes mit Darlegung des Sachverhaltes.

 

Abbildung eines der ausgestellten Befunde

 

Natürlich ist dieses Prüfergebnis nicht befriedigend. Der Sachverhalt erinnert etwas an die Dopingproblematik.

 

Im MICHEL noch nicht gelistet

 

Dem Prüfbüro wurde eine Marke Olympiade 1956 zu 20 Pf, MiNr. 539, zur Prüfung vorgelegt. Der Finder dieser Briefmarke war sich sicher, dass es sich um die Wasserzeichenvariante „DDR und Posthorn“ senkrecht Type I handelt und bat um die Ausstellung eines Attestes. Das Prüfbüro konnte diese Wasserzeichenvariante bestätigen. Diese Wasserzeichenvariante war dem Prüfbüro bisher unbekannt und ist auch im MICHEL- Spezial 2017 nicht gelistet. Die Bestätigung erfolgte durch Ausstellung eines Attestes

 

Vorder- und Rückseite der Prüfvorlage

 

Attest zur MiNr. 539

 

Wie werden Blindzähnungen geprüft?

 

Den Anlass für diesen Beitrag lieferten Beiträge und Kommentare zu Prüfbarkeit von Blindzähnungen. Im Mittelpunkt stand dabei die im Folgenden abgebildete MiNr. 324 Ui va XII mit dem dazugehörigen Attest.

 

MiNr. 324 Ul va XII **

 

Attest zu MiNr. 324 Ul va XII

 

In den Beiträgen und Kommentaren wird die Prüfbarkeit von Blindzähnungen angezweifelt, wenn die Stanzlöcher von vorn und hinten vollständig sichtbar und geprägt sind.

 

Was wird in der Philatelie unter einer Blindzähnung verstanden? Im „Häger“ steht: „Eine oder mehrere Nadeln der Zähnungsmaschine haben infolge technischen Versagens oder zu viel eingelegter Markenbogen das Papier nicht durchstoßen. Es ist kein Zähnungsloch vorhanden, sondern nur die Kontur der Nadel ähnlich einer Prägung zu sehen, die bei ungebrauchten Marken mit der Zeit, bei gestempelten Marken im Wasserbad meist ganz verschwindet. Im „Grallert“ ist nachzulesen: „Fehlperforation (Zähnungsfehler), bei der Zähnungslöcher nicht voll ausgestanzt, sondern nur leicht angestanzt bzw. sichtbar eingedrückt werden, so dass zwischen den Zähnen statt Zähnungslöchern eine Papierbrücke entsteht. Blindzähnung wird verursacht durch ungenaue Einstellung der Perforationsmaschine oder Einlegen einer zu großen Anzahl zum Zähnen vorgesehener Bogen“.

 

Waagerechtes Paar MiNr. 2521 mit teilweiser Blindzähnung

 

Dem Prüfbüro lag vor Jahren der komplette Schalterbogen vor, bevor er zerteilt wurde. Der größte Teil des Schalterbogens war völlig ohne eine Blindzähnung, somit ungezähnt. Etwa ein Drittel mit Blindzähnung versehen. Die Blindzähnung war unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Michel-Spezial ist diese Abart unter „U“ katalogisiert. Auf den Abbildungen sind die Stellen mit Blindzähnung mit einem Pfeil markiert.

 

Die Fragestellung ist, ob MiNr. 324 Ul va XII und 2521 U eine subjektive Einschätzung ist. Der Inhalt des abgebildeten Attests somit eine subjektive Einschätzung des Attestausstellers. Der BPP hat diese Druckeigentümlichkeiten wie folgt definiert und folgende Prüfpraxis festgelegt und in den „Philatelistischen Begriffsbestimmungen – Anhang zur Prüfordnung des BPP“ formuliert. Dort ist im Abschnitt Trennungsarten zu lesen: Versehentlich nicht gezähnte, nicht durchstochene bzw. ungestanzte Marken werden als ungezähnt, undurchstochen bzw. undurchstanzt bezeichnet und als Abarten katalogisiert. Sie müssen so breite Ränder aufweisen, dass eine Verwechslung mit der gezähnten, durchstochenen bzw. durchstanzten Ausgabe ausgeschlossen ist. Bei teilgezähnten oder teilweise undurchstochenen Postwertzeichen sollte der volle Bogenrand bzw. die vollständige Nachbarmarke vorhanden sein.

 

Zum Abschluss zu diesem Thema noch zwei Abbildungen einer Briefmarke in Vorder- und Rückseite, die die dargelegten Bedingungen nicht erfüllt.

 

Marke in normaler Zähnung

 

Brieffälschungen aus dem dreistelligen Bereich

 

In News 2017/I und 2017/II wurde schon über Brieffälschungen berichtet. Leider ist dieses üble Thema weiter aktuell. Mehr noch, es muss über eine gefährliche Brieffälschung „aus dem dreistelligen Bereich“ zur Warnung berichtet werden. Aus dem dreistelligen Bereich bedeutet, dass der Käufer bereit ist, einige Hundert Euro für solch einen Beleg zu bezahlen. Diese Brieffälschung steht stellvertretend für weitere Brieffälschungen dieser Art.

 

 

Portogerechter Auslandsbrief mit der Marke aus dem Goethe- Block (MiNr. 239) nach Wien (Österreich) gerichtet. Somit eine nicht alltägliche Frankatur. Der Beleg ist zensiert, die Echtheit der Zensur kann nicht eingeschätzt werden. Bei Echtheit würde dies bedeuten, dass ein echter beförderter Brief manipuliert wurde. Entscheidend für diese Brieffälschung ist die Tatsache, dass der Entwertungsstempelabdruck gemalt ist.

 

Siegfried Paul/Dr. Karsten Ruscher
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