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Kann es postalisch beförderte FDC`s mit der MiNr. 240 aus der Freimarkenserie „Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft“ geben?

 

Anlass für diesen Beitrag ist die Prüfvorlage eines augenscheinlich am 16. April 1953 postalisch bearbeiteten und beförderten FDC mit der „roten“ Thälmannmarke, der portogerecht in Buntfrankatur mit Zusatzleistung Einschreiben in BERLIN W 8 am Sammlerschalter aufgegeben wurde. Die Prüfvorlage wird in Vorder- und Rückseite nachfolgend abgebildet.

 

Abb. 1: Abbildung der Vorderseite

 

Abb. 2: Abbildung der Rückseite

 

Erfüllt wird die Forderung eines auf dem Briefumschlag übergehenden Entwertungsstempelabschlags. Auch ein Ankunftsstempelabdruck ist vorhanden. Mindestens eine R- Zettel- Rolle mit den Unterscheidungsbuchstaben „am“ wurde am Sammlerschalter im Postamt Berlin W 8 verwendet und nicht in der Versandstelle. Die Ergänzungsfrankatur auf der Rückseite zeigt ebenfalls einen leicht auf dem Umschlag übergehenden Stempelabdruck. Alles scheint bestens!
Wie sieht das Prüfergebnis aus? Der vorderseitig auf dem Briefumschlag übergehende Stempelabdruck ist gemalt!!! Der auf der Eckrandmarke befindliche Stempelabdruck ist eine Übermalung eines echten Stempelabdruckes. Das gleiche Prüfergebnis ergab die Prüfung des Stempelabdruckes auf dem waagerechten Paar auf der Briefrückseite. Es sind Marken aus Bogenabstempelungen für philatelistische Zwecke für diese Briefmanipulation verwendet worden. Philatelistische Stempelabdrucke auf „Köpfe II- Marken“ mit dem Datum 16.4.1953 vom Kreisstegstempel mit Bögen UB: b sind bisher in der Registratur nicht enthalten.
Die Originalstempelabdrucke sind – mit welchen Mitteln auch immer – abgeschwächt worden. Die Nachmalungen über den Originalstempelabdrucken sollten dem auf dem Briefumschlag übergehenden gemalten Stempelabdruck möglichst gleichen. Ein geübter Blick erkennt aber schon auf den Abbildungen die sehr unterschiedlichen Zahlenformen in den Datumszeilen.
Für das Prüfergebnis selbst unwichtig, aber als weitergehende Forschungsfrage können die sonstigen Merkmale auf dem Briefumschlag hinterfragt werden. Über den Einschreibezettel wurde schon eine Aussage getroffen. Bleibt noch der Ankunftsstempel Kreisstegstempel mit Gitterbögen MAGDEBURG-BUCKAU b. Er zeigt alle Merkmale eines echten Stempelabdruckes im Vergleich zu einem postalischen Revisionsabdruck aus dem Jahr 1952. Beachten sie bitte die vielen Beschädigungen. Der Stempel hat offensichtlich schon viel arbeiten müssen seit seiner Indienststellung. Es bleibt nur eine plausible These: Es wurde ein beförderter Brief als Vorlage genommen. Vermutlich war unter der Eckrandmarke einmal eine 84 Pf- Marke mit einem recht zentrischen Stempelabdruck. Der Beweis wäre nur durch ein Ablösen der Eckrandmarke zu erbringen gewesen, was unterblieb, weil es nichts am Prüfergebnis geändert hätte.

 

Kann es überhaupt beförderte FDC´s vom Ausgabetag der roten Thälmannmarke geben? Ein Exkurs in die Akten des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen (MPF) lässt erhebliche Zweifel aufkommen, dass es überhaupt beförderte FDC`s vom 16. 04.1953 geben kann. Ein vom Oberreferenten Fuhrmann im MPF verfasstes Entwurfsschreiben an alle Bezirksdirektionen für das Post- und Fernmeldewesen (BPF) und die OPD Berlin W 8 befasst sich mit der blauen und roten Wertstufe Ernst Thälmann aus der „Köpfe II- Serie“ und trägt das Datum 15.04.1953 und ist mit „E i l t s e h r“ eingestuft: „Das bisherige blaue Postwertzeichen der Dauerserie zu 80 Pf ist mit Ablauf des 15. April 1953 aus technischen Gründen für die Freimachung von Postsendungen ungültig geworden. In den Händen der Postkunden befindliche Stücke können bis zum 30. April 1953 gegen andere kursfähige Postwertzeichen gebührenfrei umgetauscht werden.
Um den Bedarf an Postwertzeichen dieser Gebührenstufe weiter zu befriedigen, wird das gleiche Wertzeichen zurzeit in roter Farbe hergestellt und den Wertzeichenverteilämtern in den nächsten Tagen übersandt. Es ist sicherzustellen, daß die roten Wertzeichen mit dem Bildnis Ernst Thälmanns nach ihrem Eintreffen sogleich den Postschaltern zugeführt und an die Postkunden abgegeben werden“
(Bundesarchiv DM 3 PWZ 139).

 

Was ist aus diesem Entwurfsschreiben als Extrakt herauszulesen. Am 15.04.1953 war die Ernst Thälmannmarke in der Farbe Rot noch im Druck! Eine Auslieferung an die Wertzeichenverteilämter erfolgt in den nächsten Tagen!
Bei einer Abgabe an die Postkunden ab 16.04.1953 müsste die Auslieferung an die Wertzeichenverteilämter schon angelaufen sein, was durch das Entwurfsschreiben mit Datum 15.04.1953 als nicht möglich eingestuft werden muss.
Zu klären ist noch, wie es zum amtlichen Erstausgabetag der „roten- Ernst- Thälmann- Marke“ mit Datum 16.04.1953 kam. Der Erstausgabetag ist vom MPF rückwirkend festgelegt worden. Entscheidend war wohl der Tag der Ungültigkeit der blauen 80 Pf- Marken mit und ohne Lacküberzug. Offensichtlich wollte das MPF einen nahtlosen Übergang von „blau“ zu „rot“ sichern. Die amtlichen FDC`s mit MiNr. 340 sind Produktionen der Post mit postamtlichen Stempelrückdatierungen. Diese FDC`s wurden auf den allgemeinen Ersttagsbriefumschlägen mit Posthorn und roter Randleiste hergestellt (s. Abb. 3).

 

Abb.3: eines solchen FDC

 

Bekanntlich konnten amtliche Ersttagsbriefumschläge mit Postwertzeichen, die einen Stempelabdruck vom ersten Ausgabetag eines Postwertzeichens tragen noch weitere sieben Tage einer Postbeförderung übergeben werden. Gilt dies auch für die amtlichen FDC`s mit der roten Thälmannmarke?
Die entsprechende Verfügung hat folgenden Wortlaut: „Die aus Anlaß der Herausgabe von Postwertzeichen an den Postschaltern zum Verkauf gelangten Ersttagsbriefumschläge werden unabhängig davon, dass die auf den Umschlägen befindlichen Postwertzeichen bereits den Tagesstempelabdruck des ersten Ausgabetages der Wertzeichen aufweisen, weitere 7 Tage nach dem ersten Ausgabetag der Wertzeichen zur Postbeförderung zugelassen. Sie sind ohne Rücksicht auf den vorhandenen Tagestempelabdruck von allen PAnst zur Postbeförderung anzunehmen. Wenn die auf den Umschlägen befindlichen Postwertzeichen der Gebühr für die Postbeförderung entsprechen, ist n e b e n den bereits entwerteten Wertzeichen zusätzlich der Tagesstempel der annehmenden PAst abzudrucken. Werden weitere Wertzeichen hinzugefügt, um die Höhe der Beförderungsgebühr zu erreichen, so sind nur diese mit dem Tagesstempelabdruck zu versehen“. In den Verfügungen und Mitteilungen 1953 Nr. 46 vom 15. Oktober 1953 ist diese Möglichkeit unter „VMBl. Vf. Nr. 312/1953. Behandlung der Ersttagsbriefe bei der Postbeförderung“ veröffentlicht worden. Trifft somit auf und für den FDC mit MiNr. 340 nicht zu!

 

Fazit: Beförderte FDC`s mit der roten Thälmannmarke (MiNr. 340) kann es zu 99,9 % nicht geben, denn diese Marke hat zwar einen amtlichen Erstausgabetag mit dem 16.04.1953, war jedoch an keinem Postschalter schon an diesem Tag erhältlich, denn „neben der Auslieferung in den nächsten Tagen“ an das zentrale Wertzeichenverteilamt Leipzig N 16 muss auch noch die Weitergabe an die bezirklichen Verteilämter und von dort an die Postämter „vor Ort“ berücksichtigt werden. Eine bisher nur theoretische Möglichkeit ist die Lieferung einer ersten Teilmenge an das Wertzeichenverteilamt Leipzig N 16 am 16.04.1953 und der Erstverkauf am dortigen Postamt. Die Forschung hat bis zum heutigen Tag keinen Beweis liefern können und es wird wohl aller Wahrscheinlichkeit Theorie bleiben.

 

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